28.03.2011
Die Ampel steht auf grün - zum Wahlausgang in Baden-Württemberg
Ich gebe gerne zu, dass ich für einen Wahlsieg der CDU in Baden-Württemberg gebetet habe. Jetzt ist es anders gelaufen, und es ist richtig. Anstatt uns innerlich zu verweigern, sollten wir diese Wahl zum Anlass nehmen, um über uns selbst nachzudenken. In den zahlreichen Analysen werden die Gründe bei der Atomkatastrophe in Japan oder auch bei den Auseinandersetzungen um „Stuttgart 21“ gesucht werden.
von Jobst Bittner
Wir können aber auch darüber nachdenken, was der Ausgang dieser Wahl eigentlich mit dieser Glaubwürdigkeitskrise zu tun hat, durch die Politiker und führende Wirtschaftsvertreter gerade reihenweise stolpern. Jetzt kann man überlegen: Um welche Glaubwürdigkeit geht es hier eigentlich? Wer setzt denn eigentlich die Maßstäbe, wann jemand „glaubwürdig“, also würdig ist, dass man ihm glaubt? Glaubwürdigkeit hat etwas mit Ehrlichkeit und Vertrauen zu tun. Jenseits aller Politik ist es die Frage, wie konsequent jemand seine Werte vertritt und authentisch und engagiert für sie eintritt. Wer hier wackelt, hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht und bekommt irgendwann die Quittung. Das gilt für Politiker, Wirtschaftsvertreter aller Couleur – aber noch viel mehr gilt es für jeden Christen, der in seinem Zeugnis des Glaubens "glaubwürdig" sein will. Die säkulare Gesellschaft dieser Zeit hat genug von Heuchelei und ist auf der Suche nach einer Wahrheit, die Bestand hat, das heißt, der sie glauben kann. In diesem Sinn steht die Ampel auf grün. Es ist die Chance als Christ innezuhalten, sich auf die Glaubensfundamente des Evangeliums zu besinnen und bei sich selbst in Sachen "Authentizität" und "Glaubwürdigkeit" anzufangen. Ich bin dankbar für unsere Bundeskanzlerin und höre nicht auf, für sie, die Bundesregierung und die CDU zu beten, deren Wahlprogramm als einziges dem christlichen Menschenbild verpflichtet ist. Aber - jenseits aller Parteiprogramme und Ängste vor Veränderungen bietet jeder demokratische Wechsel die Chance, verstaubte Strukturen aufzubrechen. Wir haben in Tübingen seit fünf Jahren einen "Grünen" Oberbürgermeister. Dieser Wechsel hat vieles bewirkt und, wie ich meine, unserer Stadt gut getan.
„Der Höchste hat Gewalt über die Königreiche der Menschen und gibt sie, wem er will.“ (Dan 4,29)




