29.12.2009
Der Aufbruch in eine neue Dekade des Glaubens
Was glauben wir eigentlich im neuen Jahrzehnt? Wer hätte zu Beginn des neuen Jahrtausends gedacht, dass das Denken und Glauben der westlichen Welt im ausgehenden Jahrzehnt so umfassend von dem Lebensgefühl einer postmodernen Gesellschaft bestimmt werden konnte.
Da dürfen Wahrheiten nicht absolut, sondern müssen immer wieder vielseitig und neu erfahrbar sein. Jede Festlegung auf absolute Werte ist verdächtig, einseitig und könnte fundamentalistisch sein. Alles, was mir gut tut und mich ohne Begrenzungen Neues erleben lässt, ist wertvoll und bringt mich weiter. "It´s all about love!" sangen schon die Beatles in den 70er Jahren. Irgendwie scheint der Titel dieses Songs zum Gottesbild einer Generation geworden zu sein, deren Glaubensvorstellung sich in der heutigen Zeit durch den tief in die Gemeinde eingedrungenen postmodernen Humanismus subjektiviert und individualisiert hat. So wie der Theologe Rudolf Bultman (1874-1976) die "Entmythologisierung des Glaubens" propagierte und die Wunder aus der Bibel herausstreichen wollte, erleben wir im ausgehenden ersten Jahrzehnt dieses Jahrtausends eine beispiellose "Individualisierung des Glaubens", die den Anspruch der Bibel auf die Befindlichkeit des Menschen reduziert und sich vom "sola scriptura" innerlich verabschiedet hat. Das Fehlen von Begriffen wie "Autorität der Schrift", "Unfehlbarkeit", "Wahrheitsgehalt" oder "Offenbarung" der Bibel, aber ebenso auch das weitgehende Ausklammern des Themas "Sünde", die Leugnung der Personalität Satans und das Umgehen des Themas "Hölle" sind die Kennzeichen eines Glaubens, der durchaus "charismatisch" sein kann, aber die Fundamente des Evangeliums mit dem Treibsand der inneren Erfahrungswelt ausgetauscht hat.
Wie also glauben wir im nächsten Jahrzehnt? Und wer bestimmt darüber, was wir in den nächsten zehn Jahren glauben werden? Ich bin davon überzeugt, dass es von niemand anderem bestimmt wird als von uns selbst. In dem ausklingendem ersten Jahrzehnt befinden wir uns in einem Zwischenzustand, der von vielen als eine "Erschütterung" gesehen wird, die das Volk Gottes auf etwas sehr viel Schöneres, Neues vorbereitet, das von Gottes wunderbarer Gegenwart gekennzeichnet sein wird. Ich bezeichne diese neue Zeit als "decampment" - einen Aufbruch in eine neue Dekade des Glaubens! Der nicht so häufig gebrauchte Begriff "decampment" bezeichnet im Englischen ein Lager, das abgebrochen wird, um dann aufbrechen zu können. Beides gehört zusammen. Um aufbrechen zu können, musste das Volk Israel vierzig Jahre lang immer wieder sein Lager abbrechen. Sie hatten darin gelebt, gearbeitet, ihre Gottesdienste gefeiert - aber jetzt mussten sie es abbrechen. Dieser Abbruch des alten Lagers steht für die Bereitschaft, gewohnte religiöse Formen, liebgewordene Erfahrungen, bewährte Sicherheiten abzubrechen und hinter sich zu lassen. Ich bin davon überzeugt, dass wir nicht nur in unseren Gemeinden, sondern ebenso auch in unserem gesellschaftlichen Umfeld in allen Bereichen, (sei es in der Wirtschaft, Ausbildung oder Politik) in einem zunehmenden Maß sehen werden, wie anscheinend sichere Werte weiter verschwinden und wie sichere Lager abgebrochen werden. Gleichzeitig bedeutet ein Abbruch ebenso auch den Aufbruch in etwas völlig Neues. Ist es nicht überraschend, dass in den verschiedenen Parteien gerade jetzt eine immer größere Zahl an Christen (auch der jungen Generation) in Verantwortung kommt, die für die Maßstäbe des Wortes Gottes einstehen? Ich glaube, dass wir in der vor uns liegenden Dekade auf einen neuen Aufbruch des Glaubens zugehen, durch den unser Land in einer einzigartigen Weise von Gott heimgesucht und gesegnet wird. Was bis jetzt nicht möglich war, werden wir sehen: Erweckungen von Städten und ganzen Landstrichen sowie Zeichen und Wunder. Menschen, von denen wir es niemals dachten, werden durch Gottes Eingreifen von ihrer Sünde umkehren, Jesus lieben und ihm dienen.
Mit welchem Glauben kann das geschehen? Die Antwort ist kurz und einfach: Mit einem kindlichen Glauben, der im Gehorsam gegen�ber dem Wort Gottes gegründet ist. Wer über den "Abbruch" alter Lager nicht erschreckt und bereit ist, sich hier zurüsten und geistlich ausrüsten zu lassen, der wird für das "decampment", dem Aufbruch in eine neue Dekade des Glaubens, gut vorbereitet sein.
Dies ist eine gekürzte Fassung des gleichnamigen Artikel aus dem TOS Infomagazin "Offensiv", Ausgabe Nr. 22, das in diesen Tagen erscheint.




