Wort des Monats - Archiv

10.11.2009

"Die Hütte" - ein akkurates Bild vom Charakter Gottes?

Youngs Weltbestseller "Die Hütte" war eines der Bücher, die ich mir als Urlaubslektüre ausgewählt hatte. Ich wollte herausfinden, warum dieses Buch so viele faszinieren kann.

Die vorwiegend christlich geprägte Leserschaft ist voll des Lobes über ein Buch, das endlich erklärt, was es mit dem Leid der Welt auf sich hat und wie persönlich erlebtes Trauma und durchlebter Schmerz sich mit Gottes Hilfe bewältigen lassen. Der Autor will sein Buch als Botschaft verstanden wissen, es soll ein - akkurates Bild vom Wesen und Charakter Gottes zeichnen - und zwar für eine Menschheit, die sich aus tiefstem Herzen nach einem solchen Gott sehnt.

 

Der Hauptdarsteller Mack wird in seinem Schmerz von Gott in die Hütte gerufen, in der seine Tochter ermordet wurde. Indem er in der Hütte an den Ort seines größten Schmerzes zurückkehrt, wird er fähig, der Liebe Gottes neu zu begegnen. Seine Gesprächssequenzen in der Hütte mit dem dreieinigen Gott, der zuerst als afroamerikanische Mami auftritt, die leise vor sich hin kichernd den Kaffee zubereitet, dann als Jesus, der in einfachen Jeans einen Kindersarg bastelt und sich ebenso als eine indische sphärisch anmutende Frau namens Sarayu, als heiligen Geist vorstellt, entwerfen für den Leser allmählich ein esoterisches Gottesbild, das eingängig ist und dem Leser wie ein süßes Stück Schokolade auf der Zunge zergeht. Leider entspricht es aber nicht der Sicht der Bibel.

 

Spätestens nach dem ersten Drittel des Buches greift die versteckte Botschaft hinter der Botschaft dieses Buches: Mack erlebt in seiner Gemeinde alles, was als Negativfolie einer Gemeinde herhalten kann. Die Gemeinde wird als ein religiöses Macht- und Manipulationssystem dargestellt, in dem der bibelgläubige Christ wie in einem "diabolischen System" hoffnungslos gefangen ist. Der Autor bietet in einer fiktiven  Gesprächssequenz mit Jesus die Lösung an: "Ihr wurdet nach unserem Ebenbild geschaffen" sagt Jesus, "frei von allen Systemen und Strukturen, frei einfach nur zu "sein", in Beziehung zu mir und untereinander. Freiheit durch die individuelle Gotteserfahrung, die immer relativ, also für jeden unterschiedlich und keinem beengenden Maßstab unterworfen ist - diese Botschaft entspricht dem modernen Gottesbild unserer Gesellschaft, hat aber nichts mit der objektiven Wahrheit des Wortes Gottes zu tun, in dessen Zentrum die Überwindung der Trennung von Gott durch den Erlösungstod Jesu steht.

Ich halte die Botschaft dieses Buches für eine perfide Glaubenstäuschung - auch wenn ich mich der Gefahr aussetze, zu den religiösen Strippenziehern gezählt zu werden, die im religiösen System ihrer Gemeinde festgesteckt sind. Es lohnt sich, die Botschaften des Autors und seines Co-Autors im Licht der Bibel zu analysieren und sich nicht von dem esoterischen Liebeskreis ihrer relativierenden Botschaft gefangen nehmen zu lassen.

 

Dies ist eine gekürzte Fassung einer Rezension von Jobst Bittner über das Buch "Die Hütte" von W.P. Young. Lesen Sie die vollständige Rezension im nächsten tosTrendletter, den Sie hier per E-Mail bestellen können: mailbox(at)tos.info

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