Wort des Monats von Jobst Bittner

16.12.2011

Ein angenehmes Jahr 2012

Die Zukunftsforscher und Endzeitpropheten haben wieder Hochkonjunktur. 2012 soll zu einem Jahr der Katastrophen werden: Die Weltwirtschaft wird kollabieren, das Pulverfass im Nahen Osten explodieren, demokratische Strukturen implodieren – ein Horrorscenario, das einen leicht schaudern lässt.

Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, Armen gute Botschaft zu verkündigen; er hat mich gesandt, Gefangenen Freiheit auszurufen und Blinden, dass sie wieder sehen, Zerschlagene in Freiheit hinzusenden, auszurufen ein angenehmes Jahr des Herrn. (Lukas 4,18-19) Die Zukunftsforscher und Endzeitpropheten haben wieder Hochkonjunktur. 2012 soll zu einem Jahr der Katastrophen werden: Die Weltwirtschaft wird kollabieren, das Pulverfass im Nahen Osten explodieren, demokratische Strukturen implodieren – ein Horrorscenario, das einen leicht schaudern lässt. Steht das "Mene Tekel" Europas an der Wand? "Gewogen und für zu leicht befunden", so heißt die Übersetzung und meint: Alles muss an Gott, der gleichzeitig liebender Schöpfer und auch gerechter Richter ist, vorbei! Jede Nation steht und fällt mit ihm, und jede Regierung ist von seiner Hand und seinem Segen abhängig. Da erscheint die erste Predigt Jesu, die er in der Synagoge von Kapernaum hielt, geradezu als unzeitgemäß, nicht passend, als etwas, das ganz und gar nicht unserer Erwartung für das kommende Jahr entspricht. Jesus spricht über das, wie Martin Luther es übersetzt, "angenehme Jahr" – und: Wer wünscht sich das nicht? Ein Blick auf den Urtext hilft uns zu verstehen, dass die Perspektive entscheidend ist. Angenehm ist etwas, wenn es in Gottes Augen wohlgefällig und gut ist, es also wie bei dem Opfer im Alten Bund nicht das Übriggebliebene oder Wertlose, sondern das Beste und Wertvollste ist. Die Bedeutung des "angenehmen Jahres" des Herrn ist also ein Jahr, in dem der Herr die Hingabe und die Opferbereitschaft seines Volkes gnädig anschaut und segnet. Könnte das Gottes Gegenentwurf zu der "German Angst" sein, die im Ausland schon beinahe sprichwörtlich geworden ist? Ich bin davon überzeugt, dass Gottes Antwort auf die Ratlosigkeit dieser Zeit eine sehr einfache ist. Er sucht Christen, die nicht lamentieren, klagen oder in die Sorgenlieder der anderen mit einstimmen, sondern die ihr Leben und ihre Hingabe zu etwas machen, das der Herr mit Freude und Wohlgefallen ansieht. Das vor uns liegende Jahr sollte trotz  zunehmender Gefahr, in Abhängigkeiten zu geraten, zu einem Jahr der Freiheit werden. Es ist die Freiheit der Kinder Gottes, die ihre Ketten von Misstrauen, Sorgen und Angst am Kreuz Jesu niedergelegt haben und neu zu einem Zeugnis von der befreienden Kraft der Gnade Gottes geworden sind. Menschen werden fragen, wo sie diese Freiheit finden können. Werden wir in unseren Kirchen und Gemeinden die Antwort darauf geben können? Ich möchte Sie für das kommende Jahr ermutigen, Ihr Leben Jesus voller Vertrauen neu auszuliefern und Ihre Prioritäten neu zu ordnen. Ihre Entscheidung, wie Sie Jesus nachfolgen, wird das kommende Jahr von einem "Sorgenjahr" in ein "angenehmes Jahr" des Herr verwandeln können. Dazu wünsche ich Ihnen Mut und von Herzen Gottes Segen!

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