Das Wort des Monats von Jobst Bittner

Todesmystik - Zum Tod von Robert Enke

Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? (1. Kor 15,55)

Die Beerdigung des deutschen Nationaltorwarts Robert Enke war eine Trauerfeier der Superlative: Zehntausende nehmen von ihm im Fußballstadion Abschied. Der Sarg steht in der Mitte des Fußballstadions, Politiker finden die passenden Worte. Irgendeinen Sinn muss sein Tod ja haben. Sicher war er, so sagen sie, ein Zeichen zum Innehalten. Schuld war seine Depression, die Volkskrankheit, durch die jährlich bis zu zehntausend Menschen Hand an sich legen und sich selbst töten. ?Lieber Robert? haben die Fußballnationalspieler über ihren Abschiedstext geschrieben, der ein Brief an einen Toten ist. Irgendwie wird der Tote es im Jenseits sicherlich hören können. In den Jenseitsvorstellungen der heutigen Zeit bewegt sich die individuelle Persönlichkeit mit einer erstaunlichen Leichtigkeit über die Schwelle des Todes, wo sie eine neue Existenz annimmt, die anscheinend attraktiver als das Leben ist. Die Beerdigungsfeier wird zu einem Event, das dem Toten die letzten Insignien seines Lebens mit auf dem Weg gibt, seine Lieblingsmusik oder irgendwelche Grabbeigaben aus dem vergangenen Leben. Der Trauerkult um Robert Enke hat etwas mystisches, fast attraktives. Wer wollte so nicht abtreten, geliebt, beinahe wie ein Held, quasi ein Fußballkönig der Herzen post mortem?

So tragisch dieser Selbstmord ist, macht mich der mediale Totenkult nachdenklich. Ich las in einem einsamen und doch mutigen Kommentar einer bekannten Tageszeitung die Frage, inwieweit eigentlich noch darüber gesprochen wird, dass die Selbsttötung in der christlichen Tradition ein Eingriff in das von Gott geschenkte Lebensrecht des Menschen und damit immer auch schuldbehaftet ist. Das biblische Zeugnis ist hier unmissverständlich und klar. Denken Sie nur an das 5. Gebot: ?Du sollst nicht töten!? Eine Selbsttötung ist in den Augen Gottes Mord. Und wer denkt eigentlich an die Beteiligten, wie den Lokführer, der nicht verhindern konnte, dass sein Zug Robert Enke überrollte, und der dieses Trauma vielleicht sein Leben lang mit sich herumtragen muss? Was ist eigentlich mit seiner Familie, die durch den Tod des Ehemanns und Vaters ihr Leben lang gekennzeichnet ist? Wo bleibt die Todesmystik, wenn die kollektive Trauer vorbei ist?
Es gibt eine Antwort, mit der Christen nicht hinter dem Berg halten dürfen. Es ist die Botschaft über einen lebendigen Gott, der seinen Sohn Jesus Christus gegeben hat, damit wir in Ewigkeit leben dürfen. Gott ist der Richter über die Lebendigen und Toten. Nach jedem Tod gibt es, auch für die beliebtesten und berühmtesten Menschen, einen Zeitpunkt, vor dem jeder Mensch über sein Leben Rechenschaft geben wird. Die Bibel beschreibt den Tod als letzten Feind, dem der Stachel nur durch die Versöhnung mit Jesus Christus, durch seine Vergebung und Gnade genommen werden kann. Unsere persönliche Entscheidung für Jesus in diesem Leben entscheidet über unsere Ewigkeit!
Für mich hat der Tod von Robert Enke deshalb eine andere Botschaft. Er ist die Herausforderung an uns Christen, mit der klaren Botschaft des Evangeliums einem Zeitgeist Antworten zu geben, der den Menschen seiner christlichen Wurzeln beraubt und ihn bis in die Depression hinein individualisiert und ihn orientierungslos einem neu-heidnischen Jenseitsdenken überlässt.