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Armut hinter kolonialen Fassaden Schon am Flughafen laufen uns die bettelnden Kinder von Sucre entgegen. Mit ihren weißen Kolonialbauten gilt Sucre als die schönste Stadt Lateinamerikas. Doch auf den zweiten Blick offenbart sich hinter den Kulissen dieser Vorzeigestadt riesige Not und Armut. Straßenkinder überall, bettelnde Frauen mit ihren Babys und Armenviertel am Rand der Stadt, die beständig wachsen. Vom Präfekten der Region erfuhren wir, dass die ganze Provinz zu einer der ärmsten des Landes gehört. Hier spüren wir den Herzschlag Gottes am stärksten!
Bereits nach wenigen Tagen waren Kontakte zu Pastoren, Bürgermeister und Sozialverwaltung entstanden. Inzwischen konnten wir ein Hotel in einem Vorort von Sucre kaufen, das Platz für bis zu 80 Kindern bietet. Gott hört den Schrei nach Barmherzigkeit! Wie an so vielen Orten in Lateinamerika sind die Kinder die Leidtragenden der politischen Unruhen und heftiger Armut: unzählige Kinder berichten, wie ihre Eltern (und sehr häufig gibt es nur ein Elternteil) auf der Suche nach irgendeiner Einnahmequelle monatelang ins Landesinnere verschwinden. Und sie, die Kinder, bleiben dann bei Geschwistern oder sind sich einfach selbst überlassen, besuchen selten oder nie die Schule, sind gewohnt, ihren eigenen Lebensunterhalt zu verdienen.... ganz zu schweigen von den Kindern aus dem nahegelegenen Potosi mit seinen Silberminen, wo seit Jahrhunderten Millionen von Menschen umkamen - noch heute arbeiten Tausende von Kindern und Teenagern in diesen Bergwerken. Luis, 10 Jahre, Schuhputzer Wir sprachen mit Luis, einem 10-jährigen Schuhputzer, einer von Hunderten von Straßenkindern in Sucre. Während er mit seinen buchstäblich schwarzen Händen genüßlich sein Brötchen aß und dazu Fanta trank, erzählte er von seiner Situation. Er wohnt mit seinem Bruder zusammen im Armenviertel. Die Mutter lebt nicht mehr, und der Vater ist schon mehrere Wochen weg. Morgens besucht er die Schule und danach verbringt er den Rest des Tages auf der Straße, um mit dem geringen Schuhputzerlohn sein Abendessen zu bestreiten. Ist das ein Leben für einen 10-Jährigen?!
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